Die Schwestern Waverly

Zwischen Wellen und Welten

Band 1 der Novelle

!LeseProbe!

Autorin: Angela C. Popp
Verlag: CulturTainment
 Erstveröffentlichung: 17. Februar 2026

ISBN Taschenbuch: 978-3-98836-014-4 e-Pub: 978-3-98836-015-1

Die Schwestern Waverly – Zwischen Wellen und Welten

Wie alles begann…

Neptun auf Reisen


Die Erde ist fast nur von Wasser bedeckt. Die Sonnenstrahlen lassen es glitzern und glänzen. Neptun, Gott und Herr aller Gewässer, kreuzt stetig über die Meere, Seen und Flüsse der Erde. Oft schwimmt er auch allein und unerkannt durch sein Gebiet – beobachtet das Verhalten seiner Untertanen.
Mit den Jahrtausenden nimmt die Erdbevölkerung zu – Pflanzen, Tiere und Menschen spielen eine immer größere Rolle.
Das belustigt den Herrscher oft, doch sieht er ebenfalls die Gefahren. So teilt er sein Königreich in Abschnitte und setzt dort Unterherrscher ein, die darüber wachen, dass die natürliche Ordnung erhalten bleibt.
Selbstverständlich bleibt der Herrscher Neptun, der Gott aller Gewässer, und jeder von ihm Ernannte hat perönlich über den Zustand seines Gebiets Bericht zu erstatten und Rechenschaft abzulegen.
Im Jahr 1000 besucht Neptun den alten Gott Llyr, nun von ihm ernannter Herrscher über die nördliche Halbkugel.
Bei dem ersten großen Abendmahl, das Llyr zu Ehren Neptuns gibt, nimmt auch die sterbliche Tochter Llyrs teil – Freya.
Ihre Schönheit ist unbeschreiblich und hat schon sämtliche Dichter und Sänger ihrer Zeit viele Balladen über sie schreiben lassen.
Es trifft den Herrn der Meere wie sein eigener Blitz – auch die junge Schönheit ist von seinem Anblick und seiner Ausstrahlung sofort ergriffen. Das kann Llyr nicht verborgen bleiben, er ist darüber mehr als glücklich und stimmt einer Verbindung der zwei sofort zu.
Doch Neptun muss wissen: Freya hat eine sterbliche Mutter, so ist sie keine Nixe oder ein anderes Wasserwesen. In ihren Adern fließt fast nur Blut, wenig Salzwasser. Dadurch bleibt sie sterblich, zwar altert sie langsamer als gewöhnliche Sterbliche, doch ihre Zeit auf Erden ist gezählt.
Neptun ist das egal, er will nicht mehr ohne Freya leben und glaubt, durch Salzwasser-Experimente auch ihr Unsterblichkeit schenken zu können. So wird schon nach kurzer Zeit Hochzeit gehalten. Ein großes, rauschendes Fest in allen Meeren, Flüssen und Seen.
Sie bleiben auf Sylt, der Insel der Götter, wo Freya zuhause ist, ihre Freunde und Familie hat. Neptun kann sich schnell überallhin transformieren, wenn er es möchte. Deshalb lässt er sie den Ort wählen.
Dem jungen Paar wird schon im ersten Ehejahr ein Zwillingspaar geschenkt, Waverly Luna und Waverly Sunshine. Die beiden Mädchen sind noch entzückender als ihre Mutter. Durch ihre Adern rinnt Salzwasser wie durch Neptuns, allerdings auch ein kleiner Anteil Blut der Mutter.
Das schwächt die Schwestern Waverly. Daher müssen sie, wenn sie an Land sind, den Gezeiten angepasst in jeder Periode ein Bad in einem der Meere, Flüsse oder Seen nehmen. Dabei ist wichtig: Ihre Füße müssen sich in ihre bunte Flosse verwandeln können. Dazu muss ihnen das Wasser gut über die Knie gehen, dann entsteht die schillernde, mit Schuppen besetzte Schwimmflosse. Ihre zusätzliche Kraft und Anmut ziehen sie aus dem Tauchen und Schwimmen.
Die Mädchen verbringen gern ihre Zeit im Meer und sind mit Bewohnern und den anderen Wassergeistern gut Freund.
Nach zwanzig Jahren unbeschwerter Babyzeit wird dem Herrscherpaar eine weitere Tochter geboren: Waverly Fun. Auch sie unterliegt den Gesetzen der Gezeiten.
Neptun und seine Frau Freya beobachten ihre Mädchen und deren Entwicklung voller Stolz, doch mit ebenso großer Sorgfalt und Kritik. Luna ist ein klein wenig zu eitel und schnell beleidigt. Sunshine, die Erstgeborene der Zwillinge, ist eher vorsichtig, wägt ab. Ihre Jüngste, Fun, ist einfach nur fröhlich und unbekümmert.
Die Schwestern erwarten in ferner Zukunft große Aufgaben. Darauf sollen sie bereits in jungen Jahren langsam vorbereitet werden. Deshalb beschließen Neptun und Freya, ihrer Tochter Luna den Namen zu entziehen und sie Waverly Miffed zu nennen, bis sie nicht mehr ständig beleidigt ist, ihre Aufmerksamkeit mehr anderen schenkt und ihre Oberflächlichkeit abgelegt hat. Dann erhält sie ihren eigentlichen Namen, Luna, zurück.
Der Herrscher verleiht seinen Töchtern im Laufe der Zeit besondere Gaben.
Waverly Miffed verfügt über ganz besondere Anmut und Biegsamkeit. Sie schwebt fast, während sie an Land läuft. Dazu erhält sie die Gabe der Hypnose, denn sie wird niemals zur Bösartigkeit neigen, dafür ist sie viel zu selbstverliebt. Eine Schwäche, die hoffentlich in der Zukunft zu einer Stärke wird. Doch bis dahin bleibt ihre Macht die geringere der Schwestern.
Waverly Sunshine ist die Besonnene und Verantwortungsvolle. Daher bekommt sie größere Macht. Sie erzeugt und bricht Strudel, Wirbel und Wellen.
Die Jüngste, Waverly Fun, ist wie ihr Name: Verspielt, unterhaltsam, genießerisch, aber auch bedacht auf ihr Umfeld – allen soll es gut gehen. Ihre Macht ist im Mittelfeld angesiedelt. Sie bildet Wasserfälle und Fontänen.
So üben sich die Schwestern Waverly im Beherrschen ihrer Kräfte und erfreuen sich ihres bisher ungetrübten Daseins. Sie wissen, dass sie unsterblich sind und nicht altern – das sie über ihre optische Erscheinung selbst bestimmen können. Wie genau, wird ihnen ihr Vater zu einem von ihm erwählten Zeitpunkt mitteilen. Noch ist es sein Geheimnis.
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Neptun liebt seine Frau und die Töchter über alles und genießt das Dasein auf Sylt. Er hält in einer nahe gelegenen Grotte Hof und lässt sich dort von den anderen Göttern über die Geschehnisse in den Meeren berichten. Wenn er über die Gewässer zieht, begleitet Freya ihn stets und die Töchter bleiben bei ihrem Großvater Llyr.
Doch, entgeht es Neptun nicht, dass der Alterungsprozess seiner irdischen Frau schneller wird. Sie ist eben eine Sterbliche, sie hat keinen Anteil Wassergeist in sich wie alle anderen magischen Wasserwesen. Seine Versuche, ihren Salzwassergehalt in den Adern zu erhöhen, haben ihnen Hunderte von Jahren geschenkt, doch keine Unendlichkeit. Nun werden die Abstände der Zeichnung immer sichtbarer und kürzer. Neptun ruft seine Töchter zu sich und bringt ihnen so vorsichtig wie möglich nahe, dass das Ende ihrer geliebten Mutter vor der Tür stehe und was das für Folgen haben wird. Sobald das eingetroffen ist, wird er ihr einen Schrein in seiner Lieblingsgrotte errichten und seinen Wohnort dorthin verlegen. Dann sei auch für die Mädchen die Zeit gekommen, in die für sie vorgesehenen Reiche zu ziehen. Jede darf sich eine der Nixen als Freundin und einen Nix zum Schutz mitnehmen. Ihr weltlicher Nachname ist für jede gleich: Baronesse von Wellenfels, jede lebt in einer Villa Wellenfels. Die Häuser vererben sich von Generation zu Generation an sie selbst.
Waverly Miffed wird in der Villa an der Havel leben und herrscht über die Berliner Gewässer mit ihrem Umfeld.
Waverly Sunshine ist die Herrscherin des Nordens – der Nordsee, mit allen Flüssen und Seen. Ihre Villa Wellenfels befindet sich an der Elbe, an der Hamburger Elbchaussee.
Waverly Fun darf mit ihrem ruhigen Gemüt über den Süden herrschen. Trotz ihrer Fröhlichkeit, hat sie diese ausgeglichene, fast stoische Ader, die wunderbar in die Münchener Richtung passt. Die bislang ruhigen Seen und Flüsse werden der Jüngsten guttun. Ihre Villa ist direkt an der Isar. Schon wegen der mehrmals täglich notwendigen Bäder stehen alle Häuser an einem Fluss.
Als hätte ihre Mutter nur auf den Moment der Ordnung, der Verteilung der Gaben und Aufgaben, gewartet, verlässt sie ihre irdische Gestalt. Ein Teil von Neptun stirbt mit ihr. Wortlos zieht er sich mit dem Körper seiner Frau, wie angekündigt, zurück in die Grotte.
Llyr gibt ein großes Abschiedsfest für alle – für seine Tochter, seine Enkelinnen und seinen Schwiegersohn…
Die Schwestern Waverly trennen sich zum ersten Mal in ihrem bisher unbeschwerten Leben und stellen sich dem irdischen und ihren Aufgaben.



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